29 August 2011

Kunsthandwerk am Wochenende

Freitag war ich mit einer Freundin auf der Messe "Kreativ Hamburg". Wir hatten uns das ein wenig anders vorgestellt und suchten u.a. vergeblich nach Zeichenutensilien, Buchbinden oder Papierschöpfen. Den Stand mit Tageslichtleuchten konnte ich auch nicht finden.
Man war hier vor allem richtig aufgehoben, wenn man sich für Handarbeiten (Stoffe, Perlen, Garne) oder Scrapbooking interessiert (nein, das erkläre ich nicht, ich will niemanden auf die Idee bringen das zu machen).

Sonnabend habe ich mein Büro (mal wieder) umgeräumt. Immer ein schöner Anlass um Bücherschätze zu sichten und auch die letzte Ecke zu putzen. Nun hat wieder alles seinen Platz und ich die Übersicht.

Sonntag waren wir zur Ausstellung der Arbeitsgruppe Kunsthandwerk Lüneburger Heide im Theater in Lüneburg. Das war wirklich schön. Ich wollte dort vor allem die Kalligrafin Birgit Nass kennenlernen, über die ich schon viel Gutes gehört und gelesen hatte. Ihre Arbeiten sind wirklich schön und das Gespräch mit ihr hat sich gelohnt.
Eine Zimmerfrau hat uns von ihrer 4-jährigen Waltz erzählt, eine Goldschmiedin von der Faszination des Feuerlaufens, ein Buchbinder hatte eine Wasserwaage für den Haussegen ...
Es gab noch viele andere anregende Sachen zu bestaunen (Keramik, Textil, Holz, Papier, Leder, Metall) und zusätzlich leckeren Kuchen im Café und eine Ausstellung zum Thema Verpackung aus künstlerischer/philosophischer Sicht. Empfehlenswert.

21 August 2011

Ausstellung Pentiment 2011

Am 13.8. fand die Abschluss-Ausstellung aller Kurse statt. Das Interesse an unseren Arbeiten war größer, als ich erwartet hatte – wir kamen mit vielen Menschen ins Gespräch. Die Luft war aber etwas raus, man merkte doch, daß die 3 Wochen sehr intensiv und anstrengend waren.
Richtig schöne Sachen sind in allen Disziplinen entstanden. Hier ist ein kleiner Ausschnitt zu sehen (auf das Bild klicken!).

19 August 2011

Buchtipp: Botanik für Künstler

Diesen Schatz habe ich zufällig in der Bücherei entdeckt. »Botanik für Künster« ist eine Mischung aus Einführung in die Botanik (Stephen Harris ist Kurator der Herbarien der Universität Oxford), künstlerischem Bildband (traumhafte Fotos von Sam Scott-Hunter) und Zeichenschule (Künstlerin und Dozentin Sarah Simblet gibt jede Menge praktische Übungen, Beispiele und Tipps in verschiedenen Techniken).
Das Buch kann man guten Gewissens jedem schenken, der am Zeichnen oder der Natur interessiert ist oder einfach nur schöne Bildbände liebt.

16 August 2011

Sommerakademie PENTIMENT - week three

Unsere letzte Woche startete mit Mini-Versalien. Wir haben so winzig geschrieben, daß ich das schon mit Brille machen musste. Zuerst mit superspitzem Bleistift und dann mit einer kleinen Feder. Kleine Typo braucht im Gegensatz zu großer sehr viel Zeilenabstand (Durchschuss) um lesbar zu sein. Erhöht man noch den Buchstabenabstand (Spationierung), wirkt es gleich viel eleganter. Wir haben dann Übungen gemacht in denen wir sehr große mit sehr kleiner Schrift kombiniert haben. Der Ruling Pen kam wieder zum Einsatz.

Montag Abend waren wir in der Hafencity in einem Restaurant mit super Elbblick an der Kehrwiederspitze. Besonders faszinierend war für uns die hässliche Kalligrafie, die sie verwenden. Essen und Service waren aber super.

Dienstag haben wir uns mit "Flourishing" beschäftigt, den Verzierungen meist am Satzanfang oder Ende. Meine Güte ist das schwierig! Damit kann man ein ganzes Blatt in Sekunden versauen. Aber Übung macht den Meister und man sollte es besser äußerst sparsam einsetzen.
Eine expressive Kursive wurde von einigen ausprobiert, sie wirkt wie eine lebendige, zackige Handschrift, wenn man sie beherrscht. Wir machen so viel, daß ich gar nicht dazu komme die Sachen ausreichend zu üben. Aber wir wollen ja auch möglichst viel von Peter Thornton lernen und können die Übungen später wiederholen.
Mittags waren wir bei der Kalligrafin Karin Bauer eingeladen – praktisch, da sie direkt um die Ecke der Schule lebt. An ihren Wänden hingen sehr schöne Arbeiten. Abends gab es eine Exkursion durch die Ateliers im Gängeviertel. Ich hatte leider keine Zeit, aber erfahren, daß das regelmäßig stattfindet.
Ich habe neben dem Kurs etwas mit der Pipette experimentiert, ein spannendes Schreibwerkzeug. Man muss die Farbe aber verdünnen, sonst dauert der Trocknungsprozess Tage.

Mittwoch habe ich der Bibliothek der FH einen Besuch abgestattet, allerdings hatte Betty sämtliche interessante Kalligrafie-Bücher vor mir ausgeliehen ;-) Man kann auch als Nichtstudent dort Bücher ausleihen (20 Euro/Jahr) und sie sind sehr gut mit allem aus dem Bereich Grafik, Design, Foto, Mode, Kunst etc ausgestattet.
Die Kalligrafin und Dozentin Anja Lüdtke hat heute bei uns mitgemischt. Die Atmosphäre im Kurs ist wirklich sehr angenehm.
Wir haben an sanften Farbharmonien und Adolf Bernd Buchstaben gearbeitet. Leider ist er relativ unbekannt, hat aber in der Kalligrafie-Szene viele Fans. Er war ein deutscher Gebrauchsgrafiker, der von 1909 bis 1994 gelebt hat und u.a. den Rattenfänger von Hameln illustriert hat und für viele Unternehmen tätig war. Seine genialen Buchstaben hat er in seinen letzten Lebensjahrzehnten entwickelt. Genial sind sie vor allem wegen der gebrochenen Farben, der sauberen Technik und den vielen kleinen überraschenden, bereichernden Details ("Adolf Bernd Moments", wie Peter sie nennt).
Peter hat abends eine Präsentation mit allerlei schönen Kalligrafie-Arbeiten und Musikuntermalung gehalten. Bei Celine Dion rollten sich meine Fußnägel auf, aber ich habe es überstanden.

Am Donnerstag hat uns die Enkelin von Adolf Bernd im Kurs besucht und wir konnten ihr Fragen zu seiner Arbeitsweise und den Bildern stellen. Sie brachte eins der Werke als Geschenk für Peter mit. Was für eine Überraschung!
Wir haben uns noch damit beschäftigt Grautöne aus unterschiedlichsten Ausgangsfarben zu mischen, was eine Erleuchtung für einige von uns war. Aquarellverläufe und das Erfassen von Farbtönen eines Naturobjekts waren schöne Übungen mit einem hohen Flow-Faktor.

Freitag haben wir Initialen gestaltet und auf einen Brief gesetzt, den wir gleich verschickt haben. Da wird sich jemand freuen ... Nachmittags haben wir den Raum für die Abschluss-Ausstellung vorbereitet und waren danach im Literaturhaus-Café an der Alster.

Fazit: Diese 3 Wochen sind wie im Flug vergangen. Ich werde mit der Kalligrafie in Workshops weitermachen und mich nächstes Jahr wieder beim Pentiment bewerben, falls es für mich interessante Kurse gibt.

06 August 2011

Sommerakademie PENTIMENT - week two

In der 2. Woche sind wir von den Majuskeln (Versalien) zu den Minuskeln (Gemeinen) gekommen. Wir haben sehr eng und sehr weit geschrieben, mit großen und kleinen Ober- und Unterlängen gespielt und passende Initialen erarbeitet. Themen waren: Harmonie/Kontrast/Konflikt, Layout und Design. Wir haben über Arbeiten mit Blattgold und Platin gesprochen, technische Hilfsmittel, merkwürdige Amerikaner und über Sushi. Verschiedene Federn kamen zum Einsatz: Bandzugfedern von 0,5 bis 5 mm, Speedball und der Ruling Pen (auch Cola-Feder) aus Dosenblech oder mittleren Druckplatten geschnitten und sehr expressiv einsetzbar. Als Tinte benutzen wir primär Walnussgranulat, aber auch Airbrushfarbe, Chinatinte, Ecoline und verdünnte Gouache. Rotwein-, Erdbeer- und Kaffee-Experimente waren nicht so erfolgreich.

Montag gab es ein schönes Dinner bei dem wir an langen Tischen mit Leuten aus allen Kursen gesessen und geredet haben. Mittwoch war dann schon das "Bergfest". Da sind wir nachmittags in andere Kurse gegangen und ich hab mir vor allem die Siebdrucker, Illustratoren und die super ausgestattete Druckwerkstatt angesehen. Die neuen Räume in der Finkenau sind sehr schön. Zuletzt war ich dort zu meiner Geburt, da es früher eine Klinik war. Ich habe aber nichts wiedererkannt ;-)

Es gab einen Papierverkauf zu fairen Preisen von Liporello mit wunderschönen Blöcken, Heften und Leporellos. Man kann dort auch online bestellen.
Unsere Gruppe versteht sich gut und einige sind richtig geschickt und kreativ. Interessante Biografien, Offenheit und Interesse am Austausch machen den Unterricht noch runder. Es wird viel gelacht.
Am Ende der Woche hab ich wieder ein kleines Buch aus den Arbeiten gemacht und im Kurs entstanden 3 Faltbücher mit Übungen.
Das Fazit von Woche 2: ein geschulterer Blick für Typografie, neue Anregungen und überraschenderweise immer ein Parkplatz vor der Tür.