23 Februar 2015

Retusche historischer Bilder

 
Regelmäßig fallen bei meiner Arbeit verschiedene Retuschearbeiten an. Entweder gehört das direkt zu den Grafikdesignjobs (pixelige Logos wurden geliefert, Farben müssen angeglichen werden, Bilder erweitert oder verändert, Personen im Hintergrund entfernt ...) oder es sind Beauty-Retuschen (Oberarme verschlanken, Gesichtshaare entfernen, Augen strahlen lassen, Zähne aufhellen ...) oder Bildcollagen. Und manchmal darf ich für die eine oder andere Ausstellung auch historische Bilder reparieren. Das finde ich sehr spannend und recherchiere dann auch gern etwas zu dem Thema. Das hier ist ein Ausschnitt aus einem Familienfoto der Fabrikantenfamilie Junge, um 1900 entstanden. Es hatte viele Kratzer und Flecken, die ich für das Industriemuseum Elmshorn retuschiert habe ohne den Charakter des alten Fotos zu verändern. Die optimale Basis für so eine Arbeit ist ein hochauflösender Scan bzw. das Original.
Was mir an solchen Arbeiten auch sehr gefällt: ich kann dabei Hörspiele hören :-)

16 Februar 2015

The last great lovesong

 
Für den irischen Singer/Songwriter und Multi-Instrumentalisten Finbar Furey habe ich das Tourplakat zur »Acoustic Lonesome Boatman Tour 2015« und die CD »The Last Great Lovesong« für den deutschen Markt gestaltet. Sie ist auf Pinorrekk-Records erschienen.

In einigen der Bild-Collagen und für die Hintergründe habe ich eigene Fotos verwendet. Die Schriftzüge sind zum Teil Kalligrafien, zum Teil ist es Computer-Typografie. Es kamen Aquarelle und Packpapier zum Einsatz. Ich wollte hier eine raue, benutze, echte Optik.

Ihr seht auf den großen Bildern jeweils die Versionen, die gedruckt wurden und auf den kleinen Bildern ein paar der Entwürfe, die aussortiert wurden. Eine Auswahl zu treffen fällt mir selbst nicht immer leicht, wenn ich tief in einem Projekt drinstecke. Dann bin ich oft ganz froh, dass die Qual der Wahl bei den Auftraggebern liegt. Habe ich deutliche Favoriten, dann gebe ich von vornherein weniger Entwürfe ab.

08 Februar 2015

Sesam, öffne dich!

  ... oder das 2. Zigarrenkisten-Projekt

Mein Thema sind diesmal Unfälle und was sie bewirken. Philosophisch gefragt: Hat ein Unfall wirklich NUR negative Aspekte? Lernen wir wirklich erst SPÄTER etwas daraus? Sind die Veränderungen zu integrieren? Worauf lasse ich mich ein? Lasse ich mich überhaupt auf etwas ein? Wie verändert ein Unfall meinen Blick auf das große Ganze und auf die anderen?
Künstlerisch betrachtet: Schon Bob Ross erfreute sich an »many happy little accidents«. Ein Klecks an der »falschen« Stelle kann ein Bild ganz wunderbar verändern. Ladet den Zufall ein, seid offen und spielt mit. Ihr werdet euch wundern, wie sehr das bereichern kann. Immer wieder.
Die Dadaisten zerlegen Texte in einzelne Worte oder Laute und setzen diese dann willkürlich wieder zusammen. Wunderbares entsteht wie von Zauberhand. Oder auch völliger Mist, was soll's: weitermachen.

Sich von Unfällen und Zufällen leiten zu lassen befreit mich von vermeindlichen Ansprüchen der Gesellschaft und dem von mir sonst immer angestrebten Perfektionismus. Ich trete einen Schritt zurück und lasse etwas zu. Nicht immer alles im Griff haben zu wollen empfinde ich als sehr wohltuend.

Meine Projekt sollte vor allem BLAU sein, eine Farbe voller Symbolkraft. Blau wie das Wasser, was die ganze Erde verbindet und nährt. Ohne Wasser kein Leben. Blau wie die Luft, der Himmel, der blaue Planet, die blaue Stunde, blaue Augen und blaue Flecken, blau machen oder blau sein … feeling blue. Dazu als Kontrast und Ergänzung kleine goldene Details. Gold für Reichtum, Fülle, Glamour, Werte, goldene Herzen oder goldene Hände, den goldenen Schnitt, die goldene Mitte. Gold für Dekadenz und »mehr Schein als Sein«. Gold für Schönheit oder Unterdrückung. Blutgold, flüssiges Gold, schwarzes Gold, Hüftgold. Wann ist denn etwas »goldrichtig«?

Da ich gerade im Kalligrafie-Kurs von Gaby Fanslau in Lüneburg die Unziale lerne, habe ich sie in meinem Leporello exzessiv »benutzt«. Der Titel ist Unziale-Unfälle. Die Schrift ist teilweise krumm und schief, schnell und langsam geschrieben, zerrissen, positiv-negativ, gebrochen, geknickt und wieder neu zusammengesetzt. Es gibt Kleckse, Wischer und Schreibfehler, Verlaufenes, Abdrücke und Gematsche.

Das Leporello besteht aus verschiedenen Papieren und Resten, Packpapier, Aquarellpapier, Tonpapier, Tapete, Stoff, Flächenvorhang, Spielkarten (die abgenudelten Loriotkarten aus meiner Doko-Runde), Seekarten, Buchseiten. Kaputtes und altes wird recycelt/upcycelt und bekommt eine neue/andere Bestimmung. Unfälle führen zu Veränderungen. Alles ist zusammengeklebt und genäht, gerissen, gelocht, zerschnitten, gefaltet, gestaucht.
Die Texte sind genauso wild zusammengesetzt, da trifft Matthias Claudius' Abendlied aus den 1770ern unmittelbar auf eine Spam-Mail von 2015 ein Haiku und Wortfetzen aus meinem gehirnerschütterten Gehirn. Let it flow.

Und weil ich das so oft gefragt werde: es ging alles sehr schnell, denn je mehr man übt umso leichter geht es einem von der Hand. Die Hauptarbeit hab ich an einem Wochenende im Januar vollbracht, an dem ich verordnet bekam NICHTS zu tun. Bitteschön – so sieht mein Nichts aus :-)

(---> auf die Bilder klicken, dann werden sie größer)