26 August 2015

Was machst du gerade? (05)

   … frage ich die wunderbaren Menschen in meinem Netzwerk.

Heute ist das Leoni Pfeiffer: Mediengestalterin für Digital- und Printmedien, Kritzeltante, Taunus.


Was machst du gerade?
»Neben meinen Job jongliere ich in meiner Freizeit gerade mit sämtlichen meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten: einer Tanzgruppe, die bald einen Auftritt hat und doch schon die nächste, neue Choreographie braucht, dem Layout für einen Gemeindebrief und der Internetseite meines Oldtimerclubs.
Ausserdem nehme ich Anlauf! Um mein persönliches Jahresprojekt wieder anzugehen: einen illustrierten Kalender – nicht nur – für Kinder, mit Geschichten rund um meine zwei Figuren Kröt und Schuhuu, der nun in die fünfte Runde gehen soll. Ich bin schon wieder ganz schön spät dran.«

Warum bist du Mediengestalterin und nebenbei Kritzeltante? 
»Mein Leben bestand eine ganze Weile aus zueinander passenden Zufällen und so bin ich vom Fachabitur mit dem Schwerpunkt Gestaltung weiter gekommen zur Ausbildung zum Mediengestalter. Dieser Beruf ist nicht immer so kreativ wie ihn sich viele vorstellen. Oft arbeitet man strikt nach Vorgaben und in fertigen Rastern. Aber genau das macht ihn für mich so interessant!



Neben dem Kommunikativen, den vielen neuen Ideen und Konzepten, die man entwickelt, dem – manchmal sogar künstlerischen – Arbeiten bei Illustrationen oder der Logoentwicklung, ist er doch auch ein richtiger Handwerksberuf mit einer sehr technischen Seite. Die Werkzeuge sind nur eben nicht die klassischen, man arbeitet die meiste Zeit digital und muss doch für einwandfreie Ergebnisse mehr als ein paar Knöpfchen drücken. Druckverfahren verstehen, Techniken im Hinterkopf haben und für das gewünschte Produkt den passenden Weg suchen.



Sollte er mich nicht auslasten in meiner Kreativität (übrigens mag ich dieses Wort oder vielmehr seine ständige Verwendung eigentlich gar nicht), greife ich zu Stift und Papier und tobe mich als »Kritzeltante« aus. Diesen Titel habe ich mir gegeben da ich mich bisher meist eher ausprobiere. Es gibt so viel Schönes was man auf unterschiedlichste Weisen machen kann. So sind in den letzten Jahren ein paar tolle Projekte gewachsen, zum Beispiel meine bereits erwähnten Figuren Kröt und Schuhuu, mit denen vier Kalender mit Geschichten entstanden sind – ich versuche mich also auch als Texter und Geschichtenerzähler. Gerade habe ich viel Spaß mit Handlettering und Sketchnotes. Mit dem Zeichnen und Illustrieren würde ich mir gern irgendwann ein zweites Standbein schaffen.
Reicht das Gekritzel nicht aus, nehme ich die Kamera mit. Sie lässt mich oft ganz anders auf die Welt um mich blicken. Sei es mit dem Makro die kleine Welt ganz groß zu sehen oder mit dem Tele Ausschnitte heranzuholen. Einzelheiten am Rande, Kleinigkeiten, die im Großen und Ganzen, in unserer schnellen Welt, ab und an untergehen.«

Was bewegt dich? 
»Normalerweise sind es einfache Kleinigkeiten. Wenn zum Beispiel Leute an die kleinen Dinge denken, damit andere überraschen und Freude schenken. Oder Trost und Halt, Input und Ideen, Schwung. Manchmal reicht schon eine kurze Nachricht um jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das sollten wir viel öfter machen, täte uns allen gut.
Momentan ist es aber vor allem das große und vielfältige Thema rund um Flüchtlinge. Ein sehr komplexes Thema und so recht weiß ich noch nicht wo anfangen. Als erstes habe ich mit meinem Freund den Kleiderschrank ausgemistet und fahre heute fünf große Kisten zur hiesigen Diakonie. Von dort aus sollen sie den Flüchtlingen in der Zeltstadt Limburg-Staffel zukommen. Jeder kann helfen, man muss nur auch anfangen.
Übrigens gilt das nicht nur für die Flüchtlingshilfe: auch im Altenheim, beim Tierschutz, im Verein, der Kinder- und Jugendarbeit, in der Nachbarschaft ... Unsere Gesellschaft lebt doch nur durch eins: Uns. Alle. Also hoch vom Sofa, Blick vom Smartphone, auf in die Welt und angepackt!«

Wo kann ich dich finden?
»Mitten im Goldenen Grund, Taunus, Hessen.
Gekritzel filuti @Instagram
Geplapper kroetschuhuu @Twitter
Alles zusammen Blog.leonipfeiffer.de «

19 August 2015

Lecker Frühstück

 
Sommermalzeit – diesmal mit einem kulinarischen Thema: die Teilnehmer durften ihr Sonntagsfrühstück zeichnen oder malen.
Ich habe die für mich perfekten Zutaten in Comicframes verfrachtet: Galão, Waffeln, Erdbeeren, Joghurt, Pfannkuchen, Eier, Croissants, Sonne, Franzbrötchen, Musik, Zeitung ... greift zu!


Material: Bleistift, Feder, Aquarell.
Und das war meine kleine Layout-Skizze zur Planung.



17 August 2015

Verzauberte Zeit – on tour

 

In der Hamburger Kunsthalle endete am Sonntag eine Wanderausstellung mit Bildern der Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler aus der Villa Flora in Winterthur. Es gab über 200 Bilder, Grafiken und Plastiken zu sehen – u. a. Meisterwerke von Bonnard, Vuillard, Vallotton, Maillol, Hodler, Marquet, Matisse, Manguin, Rouault, Redon, van Gogh, Cézanne, Renoir, Manet ...
Die Sammlung entstand zwischen 1906 und 1936. Das Schweizer Ehepaar galt als fachkundige und leidenschaftliche Sammler und stand in intensivem Austausch mit einigen der Künstler. So haben sie vieles erworben, was zu ihrer Zeit geschaffen wurde, also quasi »Moderne Kunst«, und damals noch nicht in Museen hing.


Der Audioguide zur Ausstellung ist ganz wunderbar und wird von Hannelore Hoger gesprochen. Ich bin ja grundsätzlich ein Fan von Audioguides, weil man durch sie eine Ausstellung viel intensiver erleben kann und vom »Gesabbel der Anderen« gut abgeschirmt ist. Die Dokumentation »Villa Flora, Ihre Sammler, ihre Künstler« von Nathalie David zeigt Einblicke in die Villa und die Entstehung der Sammlung aus verschiedenen Perspektiven. Ich bin zweimal in die Ausstellung gegangen, da ich zuerst zu wenig Zeit eingeplant hatte. Schon der Rundgang dauerte 1,5 Stunden und der Film 78 Minuten (kann man aber auch als DVD kaufen).


Warum gucke ich mir solche alten Schinken eigentlich an???
Weil es ein großer Unterschied im Erleben ist, ob ich Kunst live sehe oder digital oder gedruckt. So vieles wirkt auf mich aktuell und modern. Die Künstler und Sammler erwachen zum Leben und erzählen mir von ihrer Zeit, ihrem Antrieb, ihren Verbindungen und Inspirationsquellen. Und so manches hat sich bis heute auch gar nicht groß verändert. Ich habe ein 102 Jahre altes Bild (La Blanche et la Noire) von Félix Vallotton gesehen, was mich in seiner Lebendigkeit förmlich angesprungen hat. Auch seine Holzschnitte wirken oft modern. Da hab ich mir vorgestellt wie jemand sie mit Doodles füllt, statt mit klassischen Mustern. In einer gut konzipierten Ausstellung fühle mich den abgebildeten Personen/Dingen/Orten sehr nah und gewinne Anregungen für Farbkombinationen und Inspirationen für eigene Arbeiten.
»Das Erlebnis der Kunst verändert den Blick auf die Wirklichkeit«.

In der Ausstellung sind auch zeitgenössische Bezüge zu Künstlern aus der Sammlung zu sehen. Ursula Pallas Videoinstallation »Sunflowers« bezieht sich auf van Goghs Sonnenblumen und Judith Alberts Video interpretiert Vallottons Bild »Nu à l'écharpe verte« mit einem auf der Künstlerin drappierten Tintenfisch, der zu atmen scheint (nichts für Vegetarier).

Auf der Website der Hamburger Kunsthalle könnt ihr ganz schön in die Ausstellung eintauchen.
Die nächsten Stationen sind Paris, Halle und Stuttgart.


12 August 2015

Tusche oder Tinte?

 
Zum Zeichnen benutze ich gern Füller. Das ist bequemer als das Zeichnen mit der Feder und der Strich ist interessanter als der eines Fineliners. Allerdings brauche ich wasserfeste Tinte und nicht jeder Füller kommt mit jeder Tinte klar. Tintenpatronen scheiden aus, da sie unnötig Müll produzieren und es sowieso keine mit wasserfester Tinte gibt. Warum ist für mich wasserfeste Tinte zum Zeichnen so wichtig? Weil ich oft mit Aquarellfarbe coloriere und nicht möchte, dass sich die Linien auflösen.
Mein primäres Werkzeug ist der Rotring Artpen mit der EF (extrafein) oder F (fein) Zeichenfeder und dem Converter. Im Gegensatz zum Kalligrafie-Artpen ist die Feder härter und nutzt nicht so schnell ab (die Kalligrafiefedern sind bei mir inzwischen alle rundgeschrieben). Wenn man die Zeichenfeder regelmäßig benutzt trocknet auch wasserfeste Tinte nicht ein. Füller komplett zu reinigen und ihnen wieder zum flüssigen Einsatz zu verhelfen kann ganz schön mühsam sein – also lieber auch mal den Einkaufszettel mit dem Füller schreiben um dem vorzubeugen.




Der Tinten-Converter nimmt flüssige Tinte jeder Art auf, so dass man nicht auf das eingeschränkte Angebot an Patronen angewiesen ist.
Welche Tinte gut funktioniert muss man ausprobieren. Meine Favoriten sind da Rohrer & Klingners Antiktusche und die Zeichentusche – Achtung: die Schreibtinte ist wasserlöslich.

Wir sagen zu allen Flüssigkeiten, die in den Füller kommen "Tinte" (tincta aqua = gefärbtes Wasser). Sobald es um die wasserfeste Variante geht, ist der Begriff "Tusche" oft richtiger. Ich finde das etwas verwirrend, da wir ja schon aus Schulkindertagen den Tuschkasten kennen, der alles andere als wasserfeste Farben hat. Die Unterscheidung Tinte/Tusche ist aber alles andere als einheitlich, deshalb muss man im Zweifelsfall selbst testen ob es sich um wasserfeste oder wasserlösliche Tinte handelt, oder im Fachhandel fragen.



Gerade habe ich ein paar Füller, mit denen meine Mutter als Schülerin um 1950 geschrieben hat gereinigt und wieder in Betrieb genommen. Ich finde es herrlich, wenn alte Dinge nicht nur schön aussehen, sondern auch nützlich sind. Das Befüllen geschieht, indem man die Feder tief in die Tinte taucht und den Mechanismus am Füllerende dreht. Jetzt habe ich Zeichenfüller mit verschiedenen Farbtönen im Einsatz: Schwarz, Umbra, Paynesgrau.

Interessant finde ich diese Super5 Füller – einige Urban Sketcher benutzen sie und es gibt auch spezielle Tinte dafür. Und die Hero Calligraphy Füller #578 aus China werden auch häufig erwähnt, sie sind nur nicht so leicht zu beschaffen und die minimale Strichstärke erscheint mir zu breit.

10 August 2015

Was machst du gerade? (04)

  … frage ich die wunderbaren Menschen in meinem Netzwerk.

Heute ist das Stephanie Wiermann: Webdesignerin, WordPress-Meetup-Mitorganisatorin, bloggende Plastikvermeiderin, Horst.



Was machst du gerade?
»Ich sitze mit meinen Hühnern (befreite Legehennen) auf der Terrasse und genieße das Zwitschern der Spatzen und die Sonne. Diese armen Hühner konnten von Rettet das Huhn befreit werden und dürfen hier nun alt werden. Es ist schön zu beobachten, wie sie sich jeden Tag etwas mehr von ihrem alten Leben erholen.«

Warum bist du Webdesignerin?
»Weil es überall so fähige und begabte Menschen gibt, die wundervolle Dienstleistungen oder Services anbieten und Produkte produzieren. Mich begeistert es sie mit meiner Arbeit sichtbar zu machen. Wäre ja schade, wenn niemand mitbekommt was alles Tolles gemacht wird. Das sind zum Beispiel Demeter Höfe, Museen, Gründer_innen, Selbstständige, ökologische und soziale Projekte, Genossenschaften, Stadtteilarchive, Künstler_innen ...
Als Gestalterin liebe ich es für die Kommunikation dieser Kunden eine visuelle Sprache zu entwickeln und dann technisch aufbereitet ins Netz zu stellen.
Ich entwickle gemeinsam mit ihnen ihr Onlineprofil – d. h. basierend auf vorhandenem, verändertem oder auch einem ganz neuen Corporate Design, entsteht eine logisch strukturierte Website.



Ich arbeite mit WordPress. WordPress ist Open Source, also eine quelloffene Software an der auf der ganzen Welt Menschen arbeiten. Diese Software und die Community begeistern mich. Mit Freunden haben wir gerade 12 Plugins adoptiert – also Zusatz-Software die den Funktionsumfang einer Software erweitert. Der Entwickler hat sie uns übertragen und wir führen die jetzt weiter. Es macht mich stolz daran mitarbeiten zu dürfen dass WordPress immer besser wird, und diese Plugins, die auf Millionen von Blogs und Websites laufen, weitergeführt werden.
Letztes Jahr habe ich das WordCamp Hamburg (eine WordPress Konferenz) mitorganisiert und bin seit Beginn Co-Organisatorin des monatlichen WordPress Meetups in Hamburg. Ich versuche gerade mehr im Übersetzungsteam von WordPress mitzuarbeiten aber Lokalisierung ist so komplex das braucht einige Einarbeitungszeit. Und ich bin immer noch dabei eine genderneutrale Sprachdatei für WordPress zu erstellen.«



Was bewegt dich?
»Mich beschäftigt die massive Verschmutzung der Umwelt besonders durch Kunststoffe und Plastik. Es schädigt uns, unsere Kinder, die Tiere und die Umwelt. Dabei ist Plastik oft so unnötig. Einfrieren geht auch in Marmeladengläsern, zum Kochen gibt es Holzlöffel und -schaber, beim Einkaufen ist es einfach auf lose oder in Glas verpackte Produkte umzusteigen, man kann Seife statt Duschgel benutzen … ich könnte ewig so weitermachen. Es sind viele kleine Dinge, die wir wir tun können. In den VHS-Kursen zum Thema »plastikfreier leben«, die ich anbiete, ist die Begeisterung immer groß wie einfach es ist zum Beipiel Deo, Zahncreme oder Putzmittel selbst herzustellen.«

Wo kann ich dich finden?
»Websites baue ich hier: http://elbmedien.de
Über Hühner und meinen Garten schreibe ich hier http://fiefhusen.de
Und die Rezepte zum Selbermachen von Kosmetik und Haushaltsmitteln liegen bei Github zum Download«

05 August 2015

Eine Reise durch den Tag

 
Rückblickend den Tag darzustellen – das war eine weitere Aufgabe von Eva Peters Sommermalzeit. Da ich Landkarten und Seekarten so liebe und damit schon viele Experimente gemacht habe ... nicht zu erwähnen die Schublade voller Ideen dazu ... habe ich einen Tag im Juli als Landkarte verewigt. Dabei saß ich an einem schattigen Platz im Sommergarten, umgeben von kunstinteressierten Hühnern und einem Kater, der es auf mein Wasserglas abgesehen hatte.

Begleitet mich durch die Elbmarsch, zur Bücherei in Winsen, zur Mühle in Bardowick und nach Lüneburg.
Die Sommermalzeit wird übrigens in den August verlängert und in der dazugehörigen geschlossenen FB-Gruppe kann man die Bandbreite der Werke bestaunen und sich Input abholen. Meldet euch bei Interesse einfach bei Eva.

03 August 2015

Was machst du gerade? (03)

  … frage ich die wunderbaren Menschen in meinem Netzwerk.

Heute ist das Konstanze Moos: Esspertin und passionierter Schreiberling, Chiang Mai (Thailand).


Was machst du gerade?
Wie so oft, wenn ich nicht esse oder schreibe: kochen. Ich verfeinere mal wieder mein thailändisches Lieblingsschnellgericht, Pad Kee Mao, frei übersetzt, drunken noodles, beschwipste Nudeln. Dabei treffen frische, unverschämt breite Reisnudeln auf viele, kleine, unerhört scharfe, Chilischoten (Birds eye chili). Dazu eine Mischung aus den drei wichtigsten Würzsoßen, die Asien zu bieten hat: Sojasoße, Fischsoße und Austernsoße. Diese Grundzutaten werden dann fantasievoll aufgepeppt mit Gemüse und Fleisch nach Gusto. Pad Kee Mao ist ein Gericht, das nie langweilig wird, jedes Mal anders schmeckt und doch immer seinen ganz eigenen Grundcharakter behält. Achso, wieso beschwipst? Alkohol ist nicht drin. Man erzählt sich, dass dieses Gericht einst von einer betrunken, überforderten Servicekraft kreiert wurde und bei den Gästen (gleicher Zustand) sehr gut ankam. Es lässt sich also perfekt als Absacker-Schnellgericht zur späten Stunde, aber auch als kleines kulinarisches Highlight zubereiten.

Warum bist du als schreibende Esspertin unterwegs?
Meine heutige Tätigkeit begann 2011 mit einer Weltreise. Ich schrieb unterwegs Auftragstexte, damit das Geld nicht ausging. Inzwischen lebe ich in Thailand und schreibe weiter, übers Essen, über Land und Leute, dies und das. Eine Trennung zwischen “beruflich” und “privat”, ist mir noch nie so recht gelungen. Jetzt habe ich beides glücklich vereint.

Was bewegt dich?
Im Sinne von a) antreiben? oder b) zu Herzen gehen? oder gar c) von a nach b?
a) Neugier, Wissendurst und Faulheit
b) so ziemlich alles
c) Lux, unser praktischer Pickup

Wo kann ich dich finden?
Hier bin ich! In Chiang Mai, Thailand! ... OK, also am einfachsten über mein Blog: www.genugda.de