28 September 2015

Durch Schloss Ahrensburg rascheln


Nach über 40 Jahren habe ich endlich mal wieder das Schloss Ahrensburg besucht. Ihr kennt das Wasserschloss nördlich von Hamburg vermutlich als Drehort aus den wunderbar schrägen Edgar-Wallace-Verfilmungen.

Wir hatten eine interessante Führung mit einer Dame im detailgetreuen Barockgewand (so in der Art der Robe á la Française) – keine Knöpfe, Reißverschlüsse oder Klettbänder, alles wurde gesteckt, geschnürt und genäht. Zum Waschen wird sogar die Spitze vom Unterhemd getrennt und danach wieder angenäht, genauso wie es früher gemacht wurde. Sie in diesem authentischen raschelnden Seidenkleid durch die Räume wandeln zu sehen, war schon ein Erlebnis. Ihr Fachwissen über Bräuche und die Geschichte seit dem 16. Jahrhundert machte diese Führung sehr lebendig und war auch für die Kinder spannend, die immer wieder pädagogisch-wirksam mit einbezogen wurden.


Leider waren an dem Tag nur ein paar Räume zu besichtigen, da die Restaurationsarbeiten noch andauern. Aber das was ich sah hat mir sehr gut gefallen und ich werde im Dezember nochmal einen ausführlichen Besuch machen.
Die Ursprünge des Guts stammen aus dem 16. Jahrhundert und es gab seitdem immer wieder große und kleinere Veränderungen. Interessant: Teile des Stucks wurden direkt an die Decke modelliert und nicht schon als komplett vorbereitete Gipsteile angebracht. Eine Küche gab es nicht im Haus, man hatte früher Kochhäuser wegen der Brandgefahr, d.h. das Essen kam dann lauwarm auf die Tafel.

Es gibt im Schloss wunderschöne Gemälde und Möbel, und Treppen, Fenster, Schnitzereien und Wandverkleidungen aus dunklem Holz. Eigentlich ist es ja nur ein Landgut und kein wirkliches Schloss, aber es macht schon sehr viel her – definitiv empfehlenswert für einen Besuch mit (Audio-) Führung.
Hier sind alle Infos zum Museum und den Veranstaltungen zu finden: www.schloss-ahrensburg.de

21 September 2015

Was machst du gerade? (06)

  … frage ich die wunderbaren Menschen in meinem Netzwerk.

Heute ist das Rainer Klute, Mitdenker und Kommunikationsdesigner, Vernetzer, Organisator, Hamburg.



Was machst du gerade?
»Ich schreibe gerade den Gastbeitrag für Dein Blog, Katja. ;-)
Ansonsten steht eine Patchwork-Woche vor mir, heute zum Beispiel: Eine Reihe Broschüren und Faltblätter druckfertig machen, an drei Websites arbeiten, die Finanzierung einer Veranstaltung voranbringen und das Treffen der »InDesign User Group Hamburg« am Donnerstag vorbereiten. Ich bin noch unsicher, ob ich eher ein paar »Tipps & Tricks« zeigen  oder auf den Workflow zwischen Word und InDesign eingehen werde. Und dann bin ich ja auch noch Vater und begleite meinen Sohn am Spätnachmittag durch die halbe Stadt zur HipHop Academy, wo er gerade Beatboxing lernt.«

Warum bist du Kommunikationsdesigner?
»Bin ich das? Mich beschäftigt momentan sehr das Berufsbild des »Designers«. Wenn in der (Medien-)Öffentlichkeit von Designern die Rede ist, sind meist Produkt- oder Modedesigner gemeint. Grafik- oder Kommunikationsdesign wird von vielen als Hübschmachen verstanden – was meiner Meinung nach viel zu kurz greift. Gutes Design ist mehr als Design, hat mal ein kluger Mensch gesagt. Je früher wir (guten) Kommunikationsdesigner in einen Prozess mit einbezogen werden, desto bessere Ergebnisse kommen in der Regel am Ende zustande.
Da ich nicht als Hübschmacher angesehen werden will, gibt es zwei Möglichkeiten: sich vom Begriff des Designers lösen oder den Begriff inhaltlich neu »aufladen«. Beides schwierig. Mein momentaner Kompromiss ist meine Berufsbezeichnung als »Mitdenker und Kommunikationsdesigner«.
Angefangen hat das alles vor einiger Zeit mit der Erkenntnis, dass Journalist doch nicht der richtige Beruf für mich ist: Texte schreiben fand ich nicht so spannend wie die Gestaltung der jeweiligen Publikation. Dass ich »Quereinsteiger« bin, empfinde ich wegen des oben zitierten Ansatzes (»…mehr als Design«) als Vorteil: Von meinen Studienfächern Geschichte, BWL und Psychologie profitiere ich – zusammen mit meiner Freude am Texten – bis heute, und damit auch meine Auftraggeber.«
 
Was bewegt dich?
»Eigentlich habe ich das ja bei der letzten Frage schon beantwortet. Vielleicht noch ein Literaturtipp dazu: Frank Wagner hat mit »Value of Design« ein gutes Buch zu dem Thema geschrieben.
Darüber hinaus stelle ich fest, dass mir momentan das Konzipieren und Organisieren von Veranstaltungen für Designer, das Vernetzen und das Beraten große Freude macht – mir fehlt nur noch das tragende Businessmodell dafür. :-) In diese Richtung geht auch, dass ich Organisator der InDesign User Group Hamburg bin und auch die PUBKON – die InDesign- und Publishing-Konferenz mit organisiere (Bitte Daumen drücken, dass die Finanzierung für 2016 klappt).
Bei der Gestaltung inspirieren mich vor allem skandinavische Designer. Ja, auch im Kommunikationsdesign gibt es skandinavisches Design; auch das ist klar, strukturiert, freundlich und entspannt. Und das gilt auch für die (Werbe-)Texte.
Und ich finde es ausgesprochen anregend, als »Sparringspartner« zu fungieren, mich also mit Menschen zu treffen, die beruflich mitunter etwas ganz anderes machen, und gemeinsam an deren oder ganz neuen Ideen zu arbeiten.«

Wo kann ich dich finden?
»Wie so oft bei uns Designern ist die eigene Website nicht die beste/aktuellste. Da bildet mein Webauftritt leider keine Ausnahme (ja, eine schwedische Domain. Wer oben aufmerksam gelesen hat, weiß warum.)
Im meinem Blog schreibe ich über Kommunikation, Design und Schweden. Und manchmal auch in der Kombination von allen dreien.
Bei Twitter finde ich Inspiration und Information. Kann ich jedem nur empfehlen! Niemand muss dort selber etwas schreiben, allein bei anderen »zuzuhören« lohnt sich. Meine Tweets drehen sich wie mein Blog meist um Kommunikation, Design und/oder Schweden.
Und hier ist noch die InDesign User Group Hamburg und die PUBKON-Website

Zur Klarstellung – insbesondere für alle Journalisten, die gerne mal schlecht recherchiert bei mir anklopfen – noch der Hinweis, dass es noch einen Rainer Klute gibt, der sich aber vor allem um Kernenergie kümmert.« 

Foto: © Susann Jakob

17 September 2015

Ich zeichne, also bin ich.

 
Ein herrlicher Urlaub liegt hinter mir. Und viele Seiten im Skizzenbuch haben sich unter südlicher Sonne gefüllt. Hier sind ein paar Beispiele.
Mein Equipment hat der Security am Flughafen viel Arbeit gemacht: Alles musste ausgepackt werden – besonders spannend schien der Aquarellkasten zu sein, sie öffneten ihn mit spitzen behandschuhten Fingern, als wäre Strengstoff drin. Die Farbfläschchen im durchsichtigen Kosmetiketui verursachten auch einige Verwirrung. Zum Glück wurde nichts beschlagnahmt ;-)


Ich finde immer mehr Gefallen an Aquarell, an den wunderbar variablen ineinanderfließenden Farben, die der kleinsten Bleistiftskizze Leben einhauchen.
Mein Zeichenfüller hatte Probleme mit der Hitze und trocknete schnell aus. Im Schatten ging es besser.

Wer zeichnet nimmt die Umgebung anders wahr. Ich gucke genauer hin, achte auf Licht und Schatten, Perspektive und Farbstimmung und benenne das im Inneren. Dadurch bin ich vermutlich mehr im Jetzt als jemand, der vom Kreuzfahrtschiff stolpert, den Namen des Ortes kaum kennt und mit der Handykamera durch die Altstadt hetzt um "alles" zu sehen.
Ich habe versucht zu zeichnen was ich wahrnehme und nicht was ist. Ein Beispiel dafür ist das oberste Motiv (Blick von der Terrasse).
Im Fokus ist bei mir eindeutig das Meer in der Ferne und die Insel. Wenn ich das fotografiere, dann sieht man aber erstmal gaaaanz viele Häuser im Vordergrund – rechts stand sogar ein sehr hässliches Hochhaus – und irgendwo da drin auch ein kleines Dreieck vom Meer. Im Foto geht also das, was ich selbst wahrnehme komplett unter. Zeichnen zeigt hingegen meine Realität.

01 September 2015