30 Januar 2017

Make your own ... Sketchbook

 
Ich hatte lange ein bestimmtes Skizzenbuch. Da mir das Papier, die Verarbeitung, Größe und Preis so gut gefielen, hab ich vor ein paar Jahren einen ganzen Stapel davon gekauft. Einfach aus Angst, dass es das irgendwann nicht mehr gibt. Das perfekte Skizzenbuch ist nicht an jeder Ecke zu finden. Und was für den einen funktioniert, funktioniert nicht auch unbedingt für die andere.
Leider wurde irgendwann in der Produktion das Papier ausgetauscht. Es war nicht mehr für Aquarell oder Kalligrafie geeignet. Farben matschen durch, zerfließen nicht schön, es ist zu glatt, einfach billig und unangenehm.
Nun dachte ich erst, dass ich damit schon irgendwann zurecht komme oder mir das nur einbilde, aber ich hab mein aktuelles Buch immer seltener aufgeschlagen und irgendwann nur noch hinein geschrieben, nicht mehr gezeichnet. Ich war wirklich frustriert.


Jetzt habe ich mir selbst ein Skizzenbuch gebunden, was genau so ist, wie ich es will: außen graues Velour, innen rot ausgeschlagen, Stiftehalter, lange Klappen, 160 Seiten aus Vorsatzpapier, mit rotem Garn gebunden. Schließlich hab ich das doch gelernt. Danke, Marí!
Seitdem vergeht kein Tag mehr ohne Zeichnen und Experimente :-)

So sieht mein Buch geschlossen aus, Das Gummi, was den Füller hält geht durch beide Klappen, ist also gleichzeitig die Schließe. Das Velour ist eine selbstklebende Folie aus dem Baumarkt, die es mit verschiedenen Motiven gibt und die sich super verarbeiten lässt.

23 Januar 2017

»Venedig. Stadt der Künstler«

 
Gerade ging im Bucerius Kunstforum die Ausstellung »Venedig. Stadt der Künstler« zuende.
Es ging weniger um die Venezianische Schule, sondern um Werke, die zwischen dem 17. und 21. Jahrhundert in der Lagunenstadt, oder inspiriert von ihr, entstanden sind.


Besonders schön fand ich Monets sanfte verschwommene Bilder, die das bunte Licht wunderbar einfangen.
Kandinsky hat seine Motive auf schwarzem Papier gemalt, was den Konturen einen besonderen Effekt verleiht.


Es gab Fotos, die die Stadt um 1850 vor der Touristenflut zeigen, die ja bereits um 1900 einsetzte und damals schon Besorgnis erregte – was für mich neu war. Wunderschöne Bilder voller Tiefe.
Bei einem meiner Besuche (2001) habe ich noch analog und explizit in Schwarz-Weiß fotografiert. Ich finde, dass das – oder ein leichter Duplex-Effekt – hier einfach am besten passt.


Den Kontrast zu den alten Fotos und Gemälden bildete eine stark gekürzte Dokumentation, die das heutige Leben in der Stadt zeigt (hier ist die lange Version von "Das Venedig-Prinzip" zu sehen). Die ursprüngliche Vitalität und Schönheit wurde inzwischen ertränkt von Touristenmassen, die mit gigantischen Kreuzfahrtschiffen die kleine Stadt an der Lagune fluten. Und zudem zerbröselt die morbide Pracht langsam, was leider kaum aufzuhalten ist.



16 Januar 2017

Das neue »Queenz of Piano« Artwork

 
Für die wunderbaren »Queenz of Piano« habe ich 2016 ein Logo, Plakate und Promotion-Folder gestaltet. Anne Folger und Jennifer Rüth wollen sich neu positionieren und es gab einiges zu tun.

Den 6-seitigen Folder im Wickelfalz haben wir 5c gedruckt, also 4-farbig Euroskala plus die Schmuckfarbe Gold. Ich fand die Kombination eines 4c-simulierten Goldtons mit einem Vollton-Gold dabei spannend, denn bei jedem Licht wirken die goldenen Partien unterschiedlich. Es ist ein dezenter, eleganter Effekt, da ich es nur in Details eingesetzt habe, wie bei Linien und einzelnen Wörtern.


Der Einleger mit den Tourdaten ist im Format etwas kleiner und aus dickem Transparentpapier. Wenn sich Daten ändern, dann muss nicht der ganze Folder neu gedruckt werden, sondern nur der Einleger. Eine effiziente Lösung.

Und hier seht ihr einige goldene Details und das neue Logo:
Die Silhouette der beiden im Klavierkorpus posierenden Künstlerinnen erinnert an Bond-Girls. Drama, Baby!



09 Januar 2017

Ganz großes Kino!

 
Ende 2016 flatterte ein hübsches Kultur-Projekt auf meinen Tisch. *

Ich durfte eine Kampagne für 4 besonders schöne Premierenkinos in Berlin, Hannover und Köln gestalten.

KINOS … ich liebe Kinos!

Aus meinen zahlreichen Entwürfen entschied man sich für ein recht klassisches Motiv (das mit dem Vorhang).



Ich zeige euch aber noch ein paar der anderen Motive, die rausgeflogen sind. Vom Aufmerksamkeitswert her hätte ich mich wohl anders entschieden. Deshalb war es sinnvoll dem neuen Kunden, den ich kaum einschätzen konnte, erstmal einigen Stoff zu liefern.
Es ist eine plakative Eierlegendewollmilchsau: Im Vordergrund steht jeweils das schöne Kino und der Servicegedanke, aber auch der Film, der zum Jahreswechsel auf dem Programm stand. Trotzdem müssen optisch Prioritäten gesetzt werden um den Blick zu leiten. Das kann man nicht immer jedem Kunden vermitteln. Ich denke das hat hier aber ganz gut geklappt.




* Wunderbarerweise wieder über eine Empfehlung. Langsam glaube ich, dass ich dieses Akquise-Thema nie richtig lernen werde ...


03 Januar 2017

Das neue Jahr mit Kunst begrüßen.

 
Ich zeig euch einfach mal was mir heute beim Besuch verschiedener Ausstellungen in der Hamburger Kunsthalle besonders gefiel.

Das ganze Haus hat sich nach dem umfangreichen Umbau positiv verändert. Es atmet jetzt viel mehr, wirkt aufgeräumter und die Kunst hat Licht und Raum um von uns genossen zu werden.

Was gibt es schöneres, als stundenlang durch eine Kunsthalle zu schlendern und sich hier und da überraschen zu lassen. Z.B. von einer Garderobenmarke, die mir die Antwort auf die Frage "nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" gab. 


Eigentlich war ich gezielt wegen 2 Ausstellungen in der Hamburger Kunsthalle. Aber bei den Surrealisten war es proppevoll und ich habe festgestellt, dass mich die Kunstrichtung auch nicht mehr so reizt. Magritte, Dalí, Arp, Picasso, Miró, Ernst, Duchamp …
Aber dann war da dieses klitzekleine zauberhafte Werk von André Breton (1896-1966), was mich ansprang: "Ich habe den Kommandanten Lefebvre des Noettes aus der Nähe gegrüßt, Objektgedicht, 1942" (links). Und die "Studiotür, 1939" von Man Ray (1890-1976) mochte ich auch sehr (rechts).


Ich bin dann aber vor den Menschenmassen geflüchtet und haben mir die Spurenlese angesehen. Dort gab es Zeichnungen und Aquarelle vom 16. bis 19. Jahrhundert. Erstaunlich mit welchen einfachen Mitteln beeindruckende Bilder entstanden. Wenn ich daran denke was wir heute im Kunstbedarf für Werkzeuge und Mittelchen haben. Braucht man alles nicht. Feder, Tinte, Kohle, Graphit, Aquarell, Papier und Schluss.
Ich hab mir fest vorgenommen beim nächsten Besuch einer Ausstellung meine Lesebrille mitzunehmen. Manche Zeichnungen sind so filigran und klein, dass man sich fragt wie sowas möglich ist.
Bei diesem Bild (oben) sieht man wie wirkungsvoll es ist, wenn uns der Künstler nur das zeigt, was ihm gerade wichtig ist. Der Rest wird nur angedeutet. Ich liebe es! Und es ist gar nicht leicht in unserer bildüberfluteten Zeit unwichtige Dinge auszublenden und sich beim Zeichnen zu fokussieren. Ich weiß, wovon ich spreche ;-)


Dann war ich noch in der Galerie der Gegenwart und habe mir Zeichnungsräume II angesehen. Eine großartige Ausstellung zeitgenössischer Graphik, die noch bis zum 21. Mai 2017 läuft. Sehenswert sind auch die Animationen, die gezeigt werden.


Und ich stolperte noch über diesen schönen Ferdinand Hodler (1853-1918) …

… und fand mich in einem Raum mit Werken Hamburger Künstler des "Hamburgischen Künstlerclubs" und der späteren "Hamburgischen Sezession" wieder. Deutsche Maler, die vom französischen Impressionismus und später Expressionismus beeinflusst wurden und die ich immer spannender finde.


Julius von Ehren (1864-1944) hat diese "Möwen an der Alster" gemalt. Die Häuser im Hintergrund (Speicherstadt?) habe ich jetzt erst auf dem Foto wahrgenommen. Live beeindruckten mich vor allem die Dynamik der Möwen und die Farben (warmgrau/kaltgrau/schwarz).

Wunderbar fand ich diese Frühlingsszene von Ernst Eitner (1867-1955). Das Bild stellt die Menschen (seine Familie) lebensgroß dar. Es ist als würde man aus einer Terrassentür in den Garten gucken.

Und dann waren da noch die neuen Piktogramme und das gelungene Leitsystem der Kunsthalle. Für mich als Grafikerin ist das natürlich auch eine Kunstform, die Beachtung verdient.

Geht doch auch mal wieder in eine Ausstellung oder ein Museum und lasst euch beeindrucken und inspirieren.

Ich wünsche euch ein fantastisches Jahr 2017!